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Konventionelle Verstorbenenversorgung

Krankenpfleger mit Leiche

Wir vergleichen konventionelle und alternative Verstorbenenversorgung, Teil 2

Willkommen zum zweiten Beitrag aus der Reihe „Leben und Tod – ein Erfahrungsbericht“. Wie beim letzten Mal bereits angekündigt, möchte ich mir heute mit euch die traditionelle bzw. konventionelle Verstorbenenversorgung anschauen. Diese nennen wir im Fachjargon hygienische Totenversorgung. Wenn du in dem Thema komplett neu bist, wird dieser Text dir weiterhelfen.

Zum Abschluss des Workshops „Alternative Totenfürsorge“ haben wir, also die Teilnehmer, über das Für und Wider beider Arten gesprochen. In diesem Beitrag möchte ich mich der Frage stellen: Wann brauche ich überhaupt eine konventionelle Totenfürsorge?

Zunächst will ich den Begriff „konventionell“ in diesem Zusammenhang klären. Früher war es in Deutschland gang und gäbe, dass Menschen zu Hause verstorben sind. Mit dem Wandel der Gesellschaft und dem zunehmenden Sterben in Einrichtungen, wurde die ursprünglich von den Angehörigen durchgeführte Waschung zu einer Aufgabe des Bestatters. Im Laufe der Zeit etablierten sich bestimmte Herangehensweisen, Praktiken und Standards im Umgang mit Verstorbenen.  Daher sehe ich diese Form der Versorgung als konventionell an.

Wenn wir also von „brauchen“ sprechen, meine ich die Notwendigkeit, die Verstorbenen hygienisch und ggf. auch plastisch korrekt zu versorgen und den Verwesungsprozess, die Autolyse, aufzuhalten.

Bei einer Überführung ins Ausland ist das häufig vorgeschrieben (in Verbindung mit einer Einbalsamierung). 

In anderen Fällen ist es ausgesprochen ratsam, mitunter sogar eine Voraussetzung dafür, dass ein Wunsch erfüllt werden kann:

  • Eine Abschiednahme am offenen Sarg
  • Einkleidung und Einbettung von Verstorbenen,  die einem körperlichem Trauma ausgesetzt waren

Bei einem Abschied am offenen Sarg würde meiner Meinung nach prinzipiell auch die alternative Versorgung ausreichen. Wenn allerdings die Abschiednahme zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt oder wenn der Körper des Verstorbenen in einem problematischen Zustand ist, ist es ratsam, die Aufbahrung durch einen Bestatter vorbereiten zu lassen. Je nach Situation müssen Maßnahmen ergriffen werden, die über die Waschung hinausgehen. 


Nach physischen Traumata ist es oft ganz besonders wichtig für Angehörige, ihren Verstorbenen nochmals sehen zu können, Abschied am offenen Sarg zu nehmen. Zugleich sind ebensolche Versorgungen oft besonders herausfordernd. Daher ist es gut und wichtig, dass es Menschen gibt, die Thanatopraktiker sind und mit Versorgung und Einbettung besonders versehrter Verstorbener gut umgehen können.

Die alternative und die konventionelle Verstorbenenversorgung schließen einander nicht aus. Sie können durchaus miteinander verbunden werden. So ist zum Beispiel denkbar, dass die Erstversorgung eines verunfallten Menschen vom Bestatter gemacht wird und die Angehörigen zu Einkleidung und Einbettung dazukommen.


Ich bin froh, dass wir bei uns im Unternehmen erfahrene Bestatter und ausgebildete Thanatopraktiker haben, welche eine gute Versorgung gewährleisten können, auch in schwierigen Situationen.

Natürlich freut es mich, wenn Angehörige ihre Verstorbenen selbst waschen und einkleiden. Aber nur wenige trauen es sich zu oder möchten das machen. Das darf auch so sein, es gibt kein Richtig und kein Falsch. Es ist gut, das in die Hände von Profis legen zu können, die das gerne fachkundig und würdevoll übernehmen.

Als Bestatter ist mir wichtig, die Menschen darüber aufzuklären, welche Möglichkeiten es gibt.

Gut ist, wenn diese Dinge bereits in Vorsorgen angesprochen werden oder in Hospizen, Pflegeheimen etc. So können sich die Menschen rechtzeitig damit auseinandersetzen und im Trauerfall leichter entscheiden, was sie tun wollen und was nicht. In der Praxis geschieht das auch immer mehr, und das ist etwas Wundervolles. Denn es bedeutet, dass Sterben wieder als Teil des Lebens wahrgenommen wird, welchen man gestalten kann.

Mathias Zillig

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