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Rituelle Waschung als Abschiednahme von Verstorbenen

Wie wir Verstorbene würdevoll waschen und verabschieden können.

12:20 Uhr. Ich sitze im Bus und fahre in Richtung Dresden. Die erste große Sommerhitze ist vorbei, ich habe Urlaub und somit Zeit und Ruhe für einen neuen Rückblick auf die Messe Leben und Tod. Mit diesem Text möchte ich das Thema Verstorbenversorgung vorerst beenden. (Bei Rückfragen dazu könnt ihr mir natürlich gerne jederzeit schreiben). Wir konnten uns beide Seiten ansehen, die alternative und die konventionelle Herangehensweise, über das Für und Wider nachdenken und auch den Wandel betrachten, für den viele, wie auch ich, eintreten. Abschließen möchte ich heute nicht mit meinen eigenen Worten, denn so gut könnte ich sie gar nicht treffen, sondern mit dem Abschiedsritual eines anderen Workshopteilnehmers aus der Pflege. An dem Pflegeort, wo er arbeitet, ist der Tod nicht außen vor, sondern wird in den Alltag integriert. Eine moderne Abschiedskultur, ein Ritual, wenn jemand geht. Man spricht die folgenden Worte, von sanften Berührungen und leichtem Wischen mit einem feuchten Tuch begleitet, von Körperteil zu Körperteil.

Stirn: Für jeden guten wie auch schlechten Gedanken, den Du hattest

Augen: Für alles, was Du gesehen hast und für alles, von dem Du Deinen Blick abgewendet hast

Mund: Für alles Gesagte und alles Verschwiegene in Deinem Leben

Hände: Für jede gute Tat, jede liebevolle Berührung in Deinem Leben und für jede Faust, die Du geballt hast

Füße: Für jeden Schritt, den Du in Deinem Leben gegangen bist, die leichten wie auch die schweren Wege

Zum Abschluss: Ich wünsche Dir eine gute Reise, ich hoffe wir sehen uns wieder - danke.

Ich befürworte es sehr, wenn wir Bestatter*innen, Pfleger*innen, Begleiter*innen den Abschied am Körper für und mit den Angehörigen gestalten, den Tod begreifbar und nahbar machen. Auch unser Praxiswissen über die Versorgung sollten wir dort einbetten und anbringen, wo es nötig ist, um jeden Menschen, unabhängig von Herkunft, Taten und Vergangenheit würdevoll bis zum Ende zu begleiten. Und damit ist für heute alles gesagt.

Herzlichst Mathias Zillig

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