Bestattungskultur in Deutschland gestalten

Funktioniert eine Kultur ohne würdige Bestattungskultur?

Seit dem Beginn seiner Existenz erschafft der Mensch (bewusst wie unbewusst) Kultur, die sich, von vielfältigen Faktoren beeinflusst, stetig wandelt. Mit der Kultur wandelt sich auch die Bestattungskultur, die viel aussagt über ein Volk, eine Gesellschaft. Wissenschaftler*innen aller Zeiten haben ihr daher große Aufmerksamkeit gewidmet, konnten aus ihr Schlüsse ziehen auf Entwicklung, Ethik, Werte, Religiosität und Spiritualität sowie Geschmack und Moden der untersuchten Region oder Gemeinschaft.

Heute können wir einen sehr raschen und teils sprunghaften kulturellen Wandel beobachten, der sich natürlich auch bestattungskulturell zeigt. Bestattungsformen und Bestattungsarten, Bestattungsrituale, die Ausstattung von Begräbnisfeiern, Todesanzeigen, Musik, Bekleidung, religiöser Ausdruck, die Gestaltung von Grabstätten, die persönlichen Wünsche Vorsorgender und Trauernder. Überall gibt es große Veränderungen, auf die unsere Branche reagieren muss und die bewusstes, verständnisvolles und verantwortliches Handeln verlangen.

Wer ist bei der Ahorn Gruppe für den Kulturaspekt zuständig?

Barbara Rolf begann schon während ihres Theologiestudiums, in Bestattungsunternehmen mitzuarbeiten. Den Anstoß dazu hatte der frühe Tod ihres Bruders gegeben. Nach dem Diplom war sie einige Jahre als Filialleiterin und Trauerrednerin angestellt tätig, dann gründete sie ein eigenes erfolgreiches Bestattungsinstitut, das sie 2017 in die Hände der Ahorn Gruppe legte, um sich neuen Aufgaben widmen zu können. Seit Juni 2017 ist sie als Direktorin Bestattungs- und Unternehmenskultur für uns tätig.

„Der Tod ist etwas zu Natürliches, um ihn zu tabuisieren. Zugleich ist er etwas zu Großes, um ihn zu banalisieren. Unsere Gruppe, unsere Branche und unsere Gesellschaft dafür zu sensibilisieren, ist mein Wunsch und mein Ziel.“

Barbara Rolf

Direktorin Bestattungs- und Unternehmenskultur

E-Mail:
barbara.rolf@ahorn-gruppe.de

Telefon:
+49 30 78 78 - 414

Der Wandel in der Bestattungskultur

Immer wieder hören und sagen wir, die Bestattungskultur befinde sich im Wandel. Das ist zweifellos richtig, allerdings ist es eigentlich nichts Besonderes. Denn mit dem stetigen Wandel in Gesellschaft und Kultur, wandelt sich immer schon und ganz automatisch auch die Bestattungskultur. Das Besondere an unserer Zeit ist, dass wir es auf vielen Ebenen mit raschen, teils umbruchartigen Veränderungen zu tun haben, die sich eben auch auf die Bestattungskultur auswirken.

Formen des gesellschaftlichen und kulturellen Wandels

Gesellschaftliche und kulturelle Wandlungsfelder sind unter anderem Pluralisierung, Individualisierung, Privatisierung, die steigende Anzahl alleinlebender Menschen, zunehmende Armut, Kommunikations- und Informationstechnologie.

Pluralismus: Vielfalt der Gesellschaft

Pluralisierung bedeutet, dass verschiedenste Denk- und Lebensweisen, Meinungen, Haltungen sowie Religionen und Weltanschauungen nebeneinander existieren können. Vieles, was früher als „unnormal“ galt, abgelehnt oder gar verboten wurde, ist heute alltäglich geworden oder wird zumindest geduldet, Dinge, die einst im Verborgenen bleiben mussten, können heute in der Öffentlichkeit stattfinden.
So gibt es auch für die äußerliche und inhaltliche Gestaltung von Bestattungsfeiern immer weniger verbindliche Normen oder unumstößliche Vorgaben.

Individualisierung: Einzigartigkeit von Trauerfeiern

Individualität und Selbstbestimmung sind Begriffe, die in den letzten Jahrzehnten immer wichtiger wurden. Die Menschen wissen um ihr Recht, ihr Leben selbst gestalten zu dürfen, und viele tun es. Sie sind weniger bereit, sich an Normen und Traditionen zu halten, die sich ihnen nicht erschließen.
So orientieren sie sich auch bei der Gestaltung von Trauerfeiern zunehmend an ihren eigenen Vorstellungen und immer weniger an dem, was „man“ macht, was üblich oder überliefert worden ist.
Die Menschen verlangen zu Recht, dass sie in ihrer Einzigartigkeit ernstgenommen werden und dass auf ihre individuellen Wünsche und Bedürfnisse eingegangen wird.
Das führt bestattungskulturell zu einer „neuen Vielfalt“, die sich an Vielem zeigt, so zum Beispiel an der Auswahl der Musik, der Formulierung von Todesanzeigen, den Inhalten von Abschiedsreden oder der Farbe von Trauerkleidung.

Privatisierung: stille Bestattungen

Ein weiterer Faktor im kulturellen Wandel unserer Zeit ist die Privatisierung. Etwas negativer formuliert kann man auch von Anonymisierung sprechen. Viele Menschen ziehen sich aus dem gesellschaftlichen, öffentlichen Leben zurück oder vereinsamen ungewollt. Immer mehr haben wenige oder keine Kontakte mehr zu anderen Menschen.
Daraus resultieren die häufiger werdenden Auffindungen von Verstorbenen, deren Tod lange unbemerkt blieb. Auch finden mehr Bestattungen in aller Stille oder im engsten Kreis statt, während sie vor einigen Jahren in aller Regel öffentlich waren, so dass alle, die es wollten, anteil- und teilnehmen konnten.

Singlehaushalte: pflegeleichte Grabstellen

Singlehaushalte nehmen zu, und Familien, die über die ganze Welt verteilt leben, sind längst keine Ausnahmen mehr.
Für die Bestattungskultur bedeutet das, dass amtlich angeordnete Bestattungen (sogenannte Sozialbestattungen) häufiger werden. Das ist immer dann der Fall, wenn es keine bestattungspflichtigen Angehörigen und keine Vorsorgeregelung gibt. Dementsprechend steigt die Zahl der Menschen deutlich, die eine Bestattungsvorsorge treffen. Eine weitere Konsequenz ist die steigende Nachfrage nach pflegeleichten oder pflegefreien Gräbern, weil niemand in der Nähe ist, der sich um die Grabstätte kümmern kann (oder will).

Finanzielle Situation: anonyme Formen der Beerdigung

Auch die Tatsache, dass immer mehr Menschen mit sehr geringen Mitteln haushalten müssen und mitunter große finanzielle Sorgen haben, wirkt sich deutlich auf die Bestattungskultur aus. Die Nachfrage nach günstigen Bestattungsarten steigt daher. Durch Regelungen zur Bestattungsvorsorge werden zunehmend anonyme oder andere kostengünstige Bestattungen festgelegt.

Kommunikations- und Informationstechnologie: Informationen zu Sterben, Tod und Trauer

Durch Kommunikations- und Informationstechnologie gelangen Menschen heute in kürzester Zeit an eine Fülle von Informationen. Innerhalb von Minuten kann man in Erfahrung bringen, welche Trauerrituale Buddhisten pflegen, welche Bestattungsarten es gibt, welche Bestattungsunternehmen am Markt sind und was sie anbieten, welche Musik man am Friedhof hören kann und vieles mehr. Das wirkt sich – mal hilfreich, mal nachteilig – auf Meinung und Entscheidungen der Menschen im Trauerfall aus.

Eine sich wandelnde Bestattungskultur bringt neue Bestattungsformen hervor

Die Veränderungen in Gesellschaft, Kultur und Bestattungskultur haben in hohem Maße zum großen Angebot an unterschiedlichsten Bestattungsformen, die es heute gibt, beigetragen. Wir sehen, die Dinge wandeln sich stetig und werden vielgestaltiger. Während es auf den Friedhöfen vor einigen Jahren noch deutlich mehr Erdbestattungen- als Feuerbestattungen gab, wählen heute immer mehr Menschen eine alternative Bestattungsform. Das Spektrum reicht hierbei von Seebestattung, über Baumbestattung bis hin zur Diamantbestattung oder sogar Weltallbestattung.

Beim Sterben, Tod und in der Trauer gibt es Dinge, die konstant bleiben und dem kulturellen Wandel nicht oder nur kaum unterworfen sind.

Was bleibt verbindend, verbindlich über alle Unterschiedlichkeiten hinweg? Wir meinen, fünf Aussagen machen zu können, denen nahezu alle Menschen zustimmen würden, unabhängig von ihrem Alter, ihrer Herkunft, ihrer Religion und ihrem Umfeld:

  1. Der Tod ist ein großes und wichtiges Ereignis im Leben.
  2. Ein Leichnam muss würde- und respektvoll behandelt werden.
  3. Trauer braucht Zeit, Raum und Ausdruck.
  4. Verstorbene bleiben Teil unseres Lebens, der Tod beendet die Verbindung nicht.
  5. Der Tod ist nicht nur Ende und Vernichtung, sondern auch Übergang und Verwandlung. Er spricht ein mächtiges, aber nicht das letzte Wort.

 

Wir verstehen uns als Gestalter einer Bestattungskultur und Erinnerungskultur, die jedes Leben in seiner ganz eigenen Ausprägung würdigt, die für Trauernde da ist und immer im Blick hat, dass sich unser Umgang mit Sterben, Tod und Trauer unmittelbar auf Gesellschaft und Kultur auswirkt, in denen wir leben und die wir mitverantworten.