Rückblick: 14. Symposium der FUNUS Stiftung „Zwischen Meisterpflicht und Empathie – Qualität im Bestattungswesen“
Am 20. Mai 2026 fand im Zentrum für Endlichkeitskultur in Kabelsketal das 14. Symposium der FUNUS Stiftung statt. Moderiert vom Autor Christian von Aster gingen die Referierenden und Teilnehmenden einer zentralen Frage nach, die die Bestattungsbranche seit Jahren bewegt: Wie lässt sich Qualität im Umgang mit Trauernden und Verstorbenen sichern, weiterentwickeln und messen?
Eine Branche im Spannungsfeld
Den inhaltlichen Auftakt machte Christoph Keldenich, Vorsitzender des Aeternitas e.V., der als Stimme der Verbraucher beschrieb, was Hinterbliebene von einer guten Bestattung erwarten: Verlässlichkeit, Würde und das Gefühl, wirklich wahrgenommen zu werden. Darauf aufbauend argumentierte Torsten Lange, Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, für die Einführung einer Meisterpflicht als Qualitätssicherungsinstrument. Für ihn ist klar, ein Beruf, der Menschen in seinen verletzlichsten Momenten begleitet, braucht klare Qualifikationsstandards.
Einen anderen Blickwinkel brachte Uller Gscheidel ein, Gründer von Charon Bestattungen Berlin und Mitbegründer eines BestatterInnen-Netzwerks. Er machte deutlich, dass gerade Quereinsteiger mit tiefem empathischem Verständnis und biografischer Motivation die Bestattungskultur in den letzten Jahrzehnten entscheidend bereichert haben. Und dass Empathie und die Fähigkeit zum Aushalten keine erlernbaren Handwerksfertigkeiten im klassischen Sinne sind, sondern den Kern professionellen Begleitens ausmachen.
Am Nachmittag erweiterten weitere Referenten das Bild: Werner Kentrup stellte die Grüne Linie vor und zeigte, wie Nachhaltigkeit als neuer Qualitätsmaßstab in der Branche wirksam wird und wie unerlässlich gute Qualifikation ist. Thies Heinrich, Geschäftsführer mehrerer Krematorien, betonte die Bedeutung hochqualifizierten Personals angesichts einer Kremierungsquote von über 70 Prozent. Fehler sind hier keine Option. Den rechtlichen Rahmen ordnete schließlich Prof. Dr. Dr. Tade Matthias Spranger von der Universität Bonn ein und zeigte, wie sehr Qualität im Bestattungswesen auch eine Frage politischer und rechtlicher Rahmenbedingungen ist.
Bettina Biller-Steffen: Qualität durch Vielfalt
Einen besonderen Akzent setzte der Vortrag von Bettina Biller-Steffen, Referentin im Stab des Vorstandsvorsitzenden der Ahorn Gruppe mit den Schwerpunkten Qualitätsmanagement, Nachhaltigkeit und Governance. Unter dem Titel „Qualität durch Vielfalt – Wie Menschen Endlichkeitskultur prägen" machte sie deutlich, dass Qualität in der Bestattungsbranche heute weit mehr bedeutet als die Einhaltung von Standards. Vielfalt – kulturell, biografisch, weltanschaulich – ist kein rein weicher Faktor, sondern ein zentrales Qualitätsmerkmal. In ihrem Schlussteil brachte sie das Kernanliegen auf den Punkt:
„Qualität durch Vielfalt heißt für mich nicht: alles wird beliebig. Es heißt auch nicht: Standards verlieren an Bedeutung. Im Gegenteil. Es heißt: Wir brauchen gute Standards. Aber wir brauchen sie an den richtigen Stellen. [...] Wir begleiten keine Fälle. Wir begleiten Menschen. Und Menschen sind verschieden. Genau deshalb bedeutet Qualität in unserer Branche nicht, alles gleich zu machen. Sondern Unterschiedlichkeit so zu gestalten, dass Verlässlichkeit bleibt, Würde spürbar wird und Zukunft möglich bleibt.“
Empathie, so ihr zentrales Argument, darf dabei keine rein persönliche Eigenschaft bleiben, sondern muss als professionell verankerte Kompetenz verstanden und entwickelt werden. Vielfalt ist kein Imagefaktor, sie ist der Maßstab dafür, ob unsere Qualität den Menschen von heute wirklich gerecht wird.
Fazit: Qualifikation und Menschlichkeit gehören zusammen
Das Symposium zeigte eindrücklich, dass in der Branche über alle Differenzen hinweg Einigkeit besteht: Der Beruf der Bestatterin und des Bestatters ist einer der verantwortungsvollsten überhaupt. Qualifikation und kontinuierliche Weiterbildung – ob durch die Ausbildung zur Fachkraft, den Meistertitel oder Kompetenzen in der Trauerbegleitung – sind keine bürokratischen Pflichtübungen, sondern die Grundlage dafür, Menschen in einer der schwersten Phasen ihres Lebens wirklich individuell begleiten und gute Abschiede ermöglichen zu können.
Die Ahorn Gruppe dankt der FUNUS Stiftung für die erneut inspirierende und vielstimmige Veranstaltung und freut sich, dass sie mit Bettina Biller-Steffen einen eigenen Beitrag zu diesem wichtigen Fachdialog leisten konnte.
Fotos: © Ahorn Gruppe, FUNUS Stiftung